Die orientalische Tanzshow von Djamila am Freitag, den dreizehnten in Frankfurt brachte wirklich den Belly zum moven. Die Shows von Gastgeberin Djamila, unter den witzigen Moderationen von Helena Lehmann, sind ein Hochgenuss von Anfang bis Ende und die Mitwirkenden immer bereit für einen extravaganten Opener zur Begrüßung Ihres Publikums.
Nach dem klassischen Einstieg mit Nisrin (Chemnitz), der an diesem Abend unter anderen Darbietungen von Nisrin offenbaren sollte, welche Vielfalt diese Tänzerin verkörpern kann, zeigten zwei neue Sternchen ihr Können. Nashyra (Frankfurt), im Jeanskostüm mit rosa Bommeln, sah bezaubernd aus, ließ aber mit ihrem
Salsa einiges offen, so dass zu hoffen bleibt, dass sie noch Feuer fängt. Shalymar el Amar (Berlin), mit einer klassisch-orientalischen Choreografie von Beata Cifuentes, in einem dezent gearbeiteten roten Kostüm schien über die Bühne zu schweben, arbeitet perfekt in den kleinen ausgefeilten Bewegungen und lässt Großes für ihre weitere Tanzkarriere ahnen.
Naima (Worms) zeigte einen Afro-Oriental und holte die Sehnsucht ins ITF, die Sehnsucht nach Safari und wilden Tieren. Durch ihre Koketterie ein wenig zu provozieren, wusste Nirsin (Chemnitz) mit ihrer Melaya, sie bereitete mir als Publikum viel Spaß und Lust. Azad Kaan (München) beeindruckte mit einem Tabla-Mix durch die perfekte Hüfttechnik, Geschmeidigkeit und seinem Bewegungsfluss, sowie der gelungenen Musikinterpretation mit Körper und Seele. Nicht nur das Funkeln seines Hüftgürtels machte es schwer, meinen Blick von ihm zu lösen WOW!
Djamila (Frankfurt) überraschte in einem engen und geschlossenen Kleid, das sie als Frau sehr schön zur Geltung brachte. Das Verschmelzen mit der Musik und Einssein mit dem Gesang gelang ihr wunderbar, ich bekam eine Gänsehaut bei ihrer Darbietung. Durch die gekonnten Überleitungen von
Helena Lehmann war die Zeit bis zur Pause viel zu schnell vergangen. Vorher allerdings ließ Naima (Worms) das Publikum teilhaben an ihrer Interpretation von Ya Weilli mit HipHop-Elementen, die kurzweilig waren.
Den Höhepunkt im ersten Showblock bildete Said el Amir (München) mit einem klassischen-orientalischen Stück, bei dem am Ende leider die Technik des ITF dran glauben musste und symbolisch erschossen wurde. Gekonnt interpretierte er die Musik und ließ sie seinen Körper führen, ein Spiel mit Dynamik und Raum, Größe und Nähe, die Rolle zwischen Tänzer, Spieler und Entertainer riss das Publikum mit.
Zum zweiten Teil eröffnete Azad Kaan mit jomdance® und bewies erneut, welches Können er als Tänzer hat. Er scheint seinem Publikum alles geben zu wollen und lässt dieses teilhaben an seinen innersten Schätzen, seinen spielend gemeisterten Drehungen, den weichen und fließenden Bewegungen und präzisen Akzenten und
Effekten. Zu Shakira`s immer noch aktuellen Hit Hips dont lie kombinierte Nashyra flotte Hüften und gekonntes Lächeln als moderne orientalische Show. Eine echte Drama
Queen präsentierte Said el Amir im schwarz-goldenen Kostüm, ließ die Bühne zum Drum Solo beben und das Publikum jubeln. Verträumt und wieder perfekt inszeniert, war Shalymar el Amar mit einer Choreografie von Horacio Cifuentes zu sehen, die mit viel Gefühl und Phantasie mich als Zuschauerin zum Träumen bringen sollte.
Eine Abwechslung für das Auge und ein Hochgenuss noch dazu, war das Trommel-Trio von Djamila, Nashyra und Elena (Frankfurt), die selbst sichtlich Spaß am Tanzen und Showing hatten. Die Choreografie von Djamila überzeugte mit tollen Effekten und Formationswechseln und verstand es, bei jeder der drei Tänzerinnen die Stärken zu betonen und einen abwechslungsreichen und doch synchronen Gesamteindruck zu hinterlassen. Naima beeindruckte mich an diesem Abend am meisten mit ihrem Leuchtertanz. Ihr Körper, ihr Tanz, der Leuchter und die Zimbeln
bildeten ein harmonisches Gesamtbild, in dem sie sich selbst wohl zu fühlen schien und bei mir ein Gefühl von tiefer Zufriedenheit entstand. Wie schon zu Beginn angekündigt, war Nisrin diejenige, die für mich die meiste Vielfalt und Wandelbarkeit als Tänzerin an diesem Abend offenbarte. Sie zeigte eine moderne orientalische Choreografie in einem sexy Kostüm mit tiefen Einblicken, funkelnden Steinchen und abgefahrenen Reifen als Armschmuck, die - ebenso wie ihr Pferdeschwanz - immer im Takt der Musik und ihres Tanzes mit-movten.
Fast den Abschluss der Show bildete die Gastgeberin Djamila selbst. In einem klassischen Stück bewies sie, dass sie zu der Spitze der orientalischen Tanzszene gehört. Djamila verstand es, die Musik zu sein, diese zu tanzen, zu singen, sich fallen zu lassen und ein Stück von sich selbst im Tanz zu offenbaren. Mit Arabian Drive setzen Azad Kaan und Said el Amir ihr Können in Szene und ließen mich als Zuschauerinteilhaben an ihrem Spiel auf der Bühne und im Leben. Der Wechsel zwischen Führen und Treiben lassen, Vorgeben und Nachahmen, Rahmen oder Mittelpunkt zu sein, gelang beiden Tänzern so mühelos, dass es ein vollkommen wunderbares Erlebnis war, ihnen zu zusehen.
Die gesamte eineinhalbstündige Show war ein Tanzgenuss auf hohem professionellem Niveau, die offenbarte, was der Nachwuchs noch aufzuholen hat und die professionellen TänzerInnen jedes Mal aufs Neue bereit sind, auf der Bühne zu geben: Alles! Alles von sich! Und alles für ihr Publikum! Danke!